blackmail_advice
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zur aktuellen Ausstellung: vom 13.April bis 8.Mai 2010
bei von maltzahn fine arts (München) Text: David Galloway
Für seine dritte Einzelausstellung bei von maltzahn fine arts bietet Hendrik Silbermann unter dem Titel Silvercollection eine außergewöhnliche Zusammenstellung von Malerei, Reliefs, Photographien und collagierten Arbeiten auf Papier. Bemerkenswert ist nicht allein die Tatsache, dass der Künstler mit derartigem multimedialem Flair arbeitet, sondern dass die Wechselwirkung der verschiedenen Gattungen einen so spannenden Dialog erzeugt. Bei der Hängung sind die vier Medien nämlich so zusammengemischt, dass sie Gruppen bilden, Konfrontationen und Austausch unter sich provozierend. Anspielungen auf Film, Literatur und Musik bilden hier Leitfäden, wobei Sprache bzw. Schrift immer wieder eine zentrale Rolle spielen.
Bei der Malerei und den neuen Reliefs ist vor allem das Emblematische Programm geworden und selbst bei den nüchternen, scheinbar „dokumentarischen“ Photographien, kann man einen Hang zur Abstraktion spüren. Der Künstler selbst erläutert das Konzept seiner neuesten Präsentation folgendermaßen:
„Als Vergleich ist hier vielleicht die Arbeit eines DJ’s oder Musikers angebracht, der einen MIX aus einigen kleinen Versatzstücken zusammenbaut und somit eine kompakte Klangwelt produziert mit wohlklingenden Passagen und auch Dissonanzen.“
Wiederholt trifft man in den Arbeiten auf das Rätselhafte: auf versteckte Botschaften bei den Photos, doppeldeutige Mitteilungen bei den Papierarbeiten und bei den Reliefs und Gemälden auf Formen, die an altertümliche Runen oder kryptische Zeichen erinnern. Als Ensemble bilden Silbermanns neueste Werke eine Art Archäologie des Sehens. Ihre ungewöhnlichen Kombinationen erinnern an Wunderkammern, aber auch an die frühen Assemblagen, mit welchen Hendrik Silbermann seine erste künstlerische Anerkennung fand. Damals wurden Fundstücke, Zeichnungen und Malerei zu kleinen, in sich geschlossenen Welten vereint und in Glaskästen „konserviert“ – wie Ausstellungsstücke in einem altmodischen Naturkundemuseum. Bei den neuesten Gemälden wird dieses Gefühl von Altertümlichkeit durch die Tatsache verstärkt, dass die Bilder unfertig – besser, unvollständig – wirken, wie Fresken, die Abnutzungsspuren der Zeit aufweisen. Anders gesehen steht der Betrachter vor einem komplexen, vielschichtigen Work in Progress, wobei aber jede Komponente ihre Unabhängigkeit bewahrt.
Silbermanns außergewöhnliche Photos, die hier zum ersten Mal ausgestellt und als Editionen angeboten werden, spielen dabei eine Doppelrolle. Als festgehaltene Zufallsmomente und Dokumentation einer Amerika-Reise scheinen sie auf den ersten Blick das Gesamtprojekt in einer sofort erkennbaren Realität zu verankern. Bei näherer Betrachtung sind sie aber eher Beweise für die Surrealität des Alltäglichen. Viele Photos zeigen Müllsäcke und –haufen, die, trotzdem sie nicht „ in Pose gesetzt “ sind, wie drapierte Arrangements erscheinen. In diesen Arrangements lassen sich die einzelnen Buchstaben und Textfragmente von Zeitschriften und Fastfood Verpackungen, wie geheime Mitteilungen deuten. Es entwickelt sich hier eine wahre Ästhetik des Mülls. Wir haben es mit unretuschierten Schnappschüssen zu tun, die wiederum mit dem geschulten, geübten Blick des Künstlers „vorkomponiert“ sind.
Wesentlich komplexer in der Ausführung, aber nicht unähnlich in der Wirkung, sind die Papierarbeiten, die der Künstler unter dem Sammelbegriff Blackmail Advice präsentiert. Bei dem mehrdeutigen Titel könnte es sich sowohl um Tipps für einen Erpresser handeln, als auch um Ratschläge für den Erpressten. Gleichzeitig ließe sich denken, dass die Collagen Informationen verbergen, an die nur mit Hilfe von Erpressung zu gelangen sind. Der kriminelle Kontext wird optisch durch die Nutzung von ausgeschnittenen Buchstaben, die Botschaften wie „do not eat the yellow snow“ vermitteln, verstärkt. Häufig grenzen diese an Absurdität. Kurt Schwitters, William Burroughs und Frank Zappa lassen grüssen!
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